Fake Produktbewertungen im Netz

Bayrischer Rundfunk & Start-up stiften Agenturen zu Fake-Bewertungen an

Das Thema Fake Produktbewertungen sind immer wieder ein Aufreger im Netz. So habe ich vor Kurzem von einem Start-up eine Anfrage erhalten, dass ich binnen 1 bis 2 Wochen über 100 Amazon Bewertungen produzieren soll, dazu sollten noch Bewertungen für DaWanda, eine  für die Verkaufsplattform für individuelle Produkte, entstehen.

Diesen Auftrag lehnte ich zuerst ab, da er praktisch so gut wie undurchführbar war. Erstens lässt DaWanda gar keine Produktbewertungen zu, die nicht auch zuvor von der Person gekauft wurden. Das ist meiner Meinung nach auch die beste Lösung um Fake-Bewertungen entgegenzuwirken. Zweitens ist die Anzahl der Bewertung in so kurzer Zeit schlichtweg unrealistisch.

Bei Amazon wäre es theoretisch möglich gewesen. Hier kann im Prinzip jeder eine Bewertung zu einem bestimmten Produkt abgeben. Wer aber das Produkt über Amazon gekauft hat, bekommt neben der Produktbewertung den Hinweis „verifizierter Kauf“ angezeigt. Hier sind zwar viele Produktbewertung in kurzer Zeit möglich, aber das Amazon-Bewertungsystem erkennt diese Fake-Bewertungen recht gut.

Warum Fake-Bewertungen auf Amazon kaum eine Chance haben

Beispiel:

Wenn z. B. ein Produkt zu über 99 % Bewertungen erhalten hat, die durch einen Kauf verifiziert worden sind, und dann plötzlich unverhältnismäßig viele Bewertungen erhält, die nicht verifiziert worden sind, dann werden diese Bewertungen von Amazon schlicht weg nicht angezeigt.

Die angebliche Marketing-Managerin drängte mich daraufhin doch dazu, für weniger Kundenbewertungen zu sorgen und zeigte sich einsichtig. Sie bat mich mehrfach um ein Angebot für nur 10 Bewertungen für Amazon. So allmählich fingen bei mir die Glocken an zu Leuten. Denn insgesamt war diese Anfrage doch sehr Suspekt. Hier wollte jemand, auf Teufel um jeden Preis ein Angebot für Fake-Bewertungen haben, nur um eine Story zu haben. Dazu muss ich erwähnen, das ich dieses Jahr schon einmal eine Interviewanfrage zum Thema von einem anderen Journalisten erhalten habe. Ich hatte also schon jetzt hier ein komisches Gefühl. Aber ich dachte mir dieses Mal, spiele ich einfach mit und schau, was passiert. Denn in meinem Angebot ist ja ausdrücklich nie die Rede von positiv Bewertungen, sondern nur von Produkttests/- bewertungen, ob diese auch positiv ausfallen würden, lies ich bewusst offen, da ich das ja nicht garantieren kann.

Wie dem auch sei, mein Verdacht bestätigte sich und ich habe heute von einer Journalistin des Bayrischen Rundfunks für die Sendung PULS im TV eine Info erhalten, dass die Anfragen des Start-ups nur eine Finte gewesen sei, um mich aus der Reserve zu locken. Sie gestand mir auch in ihrer E-Mail, dass ihre Redaktion gleich mehrere Agenturen zu so einem Angebot angefragt haben. Nun bat mich die Journalistin um Stellungnahme zu folgenden Fragen:

BR-Redaktuerin: „Sie boten uns an, Rezensionen für uns zu schreiben, ohne das Produkt je in den Händen gehabt zu haben. Wie kann dabei eine ernst zu nehmende Beschreibung entstehen?“

Meine-Antwort:  Ich fand das Produkt sympathisch und das Drängen der Marketing-Managerin, bewog mich letztendlich dazu bei dem Spiel mitzuspielen. Zudem bot das Unternehmen genügend Anschauungsmaterial in Form von Videos im Netz an, mit dem sich die Produkttester ein ausreichendes Bild von dem Produkt hätte machen können.  Zudem habe ich in dem Fake-Angebot niemals positive Bewertungen garantiert. In diesem Fall wäre ein Aufruf im Netz mit Link zum Produktvideo gestartet worden. Die Amazon-Kunden hätten ihre Meinung zum Produkt frei äußern können. Eine klare Vorgabe über den Inhalt der Bewertung hätte es nicht gegeben. Es hätten auch sehr negative Bewertungen zum Produkt entstehen können. Zudem kennzeichnet Amazon nur verifizierte Käufe besonders, sodass ein Kunde erkennen kann, ob der Bewerter das Produkt auch jemals in den Händen gehalten hat.

BR-Redaktuerin:„Wie stellen Sie sicher, dass Sie nicht ein völlig schlechtes Produkt in den Himmel loben und so Enttäuschungen bei Kunden, die Ihren Bewertungen vertrauen, hervorrufen?“

In diesem Fall war ich selbst von der Idee des Produktes überzeugt. Schlechte Produkte lehne ich für derartige Kampagnen ab.

Grundsätzlich aber, haben die Produkttester völlige Meinungsfreiheit, wie ich schon auf der Anmeldeseite für Produktester betone. Es wird keine Vorgabe gegeben, was sie über das Produkt oder die Dienstleistung schreiben. Bei einer ernst zunehmenden Kampagne wäre zunächst ein längerer Vorlauf nötig gewesen. Bei solchen Kampagnen bestehe ich darauf, dass die Produkttester eine Produktprobe für ihren Test erhalten und danach behalten können. Bei hochpreisigen Produkten sollte eine angemessene Aufwandsentschädigung für den Test und die Versandkosten für den Rückversand mit berücksichtigt werden. Die Produkttester sollten dann auch dabei erwähnen, dass sie sich ihre Meinung im Rahmen eines Tests gebildet haben.

BR-Redaktuerin: „Warum umgehen Sie ein System, das eigentlich als ernsthafte Plattform für Empfehlung zwischen echten Kunden geschaffen wurde?“

Ich umgehe kein System. Amazon stellt die Bewertungsfunktion für jedermann zur Verfügung. Ich berate meine Kunden, wie sie die Bewertungen für ihre Produkte steigern können. In dem aktuellen Fall habe ich den vermeintlichen ach so armen Start-up in meiner ersten Absage E-Mail sogar Tipps gegeben, wie sie anderweitig die Bewertungsquote langfristig und ohne viel Aufwand erhöhen können und das honorarfrei!

Um noch mal für alle Beteiligten und Leser eines klar zustellen. Es fanden keinerlei Fake-Bewertungen wirklich statt, es entstand lediglich zu dieser Fake-Anfrage ein Fake-Angebot meinerseits. Ich distanziere mich ausdrücklich von derartigen Anfragen und werde sie rigoros veröffentlichen.

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